ADHS

Hirnchemie aus dem Gleichgewicht

Von Katja Müller · 2016

Das Kind kommt frustriert von der Schule, weil es wieder Ärger mit den Lehrern hatte, wirkt unkonzentriert und kann kaum still sitzen? Häufig steht der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Raum. Laut Robert Koch-Institut (RKI) leiden rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland darunter.

ADHS bezeichnet eine Störung der Selbstregulation und Selbstkontrolle: Betroffenen fällt es schwer, ihr eigenes Verhalten gezielt zu steuern. „Kindern, die an ADHS leiden, gelingt es oftmals nicht, konzentriert an einer Aufgabe zu arbeiten und ihr Umfeld auszublenden“, erklärt Johannes Streif vom Verein ADHS Deutschland. „Sie lassen sich leicht ablenken – der stärkste äußere Reiz gewinnt.“

Keine einfache Diagnose

Warum es das eine Kind trifft und das andere nicht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Klar ist: Die erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Aber auch das soziale Umfeld sowie neurobiologische Faktoren können von Bedeutung sein. Nicht jedes lebhafte Kind hat ADHS. Die Abgrenzung ist für den Laien oft schwierig, doch guter Rat ist nicht teuer: Erfahrene Kinderärzte, Psychotherapeuten und Psychiater können einschätzen, ob Handlungsbedarf besteht. „Die Diagnose zu stellen, braucht Zeit. Der Arzt oder Psychotherapeut muss das Kind sehen, andere Erkrankungen wie beispielsweise eine Angststörung ausschließen und auch das soziale Umfeld befragen“, erklärt Peter Lehndorfer, langjähriger Kinder- und Jugendlichentherapeut sowie Vizepräsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Obwohl immer häufiger von der „Volkskrankheit ADHS“ die Rede ist, hat sich die Diagnosehäufigkeit laut RKI in den letzten Jahren nicht verändert. „Das Bewusstsein in der Bevölkerung für diese Störung ist jedoch deutlich gewachsen“, so Streif. Behandlungsbedürftige Symptome der ADHS können im Erwachsenenalter fortbestehen – betroffen sind hiervon etwa zwei Prozent der Bevölkerung.

Neue Studie erforscht ­Therapiekonzepte

Eine bundesweite Studie namens ESCAlife will nun herausfinden, in welcher Altersgruppe welche Therapieangebote am besten helfen. So könnten in Zukunft maßgeschneiderte Konzepte möglich werden. Denn Optionen gibt es viele. Bei der multimodalen Therapie greifen mehrere Rädchen ineinander: Betroffene lernen in der Psychotherapie, ihr Verhalten besser zu steuern und ihren Alltag zu strukturieren, Eltern erfahren in speziellen Coachings, wie sie ihr Kind unterstützen können. Gegebenenfalls helfen auch Methoden wie Neurofeedback oder eine spezielle Ernährungsweise. Eine große Rolle bei der Behandlung spielt die medikamentöse Therapie. Dazu Lehndorfer: „Medikamente können Kindern helfen, ihren Alltag besser zu organisieren. Die Vergabe sollte aber überwacht und in ein Gesamtkonzept eingebettet werden, zu dem unter anderem auch die Psychotherapie gehört.“ Bausteine gibt es also viele – der Schlüssel zum Erfolg ist, sie richtig zu kombinieren.

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