Fruchtbarkeitsstörungen

Wenn die Familienplanung ins Stocken gerät

Von Nadine Effert · 2016

Bei einer In-vitro-Fertilisation findet die künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers statt.

„Es will einfach nicht klappen“ – dieser frustrierte Satz kommt aus den Mündern vieler Paare in Deutschland. Schätzungsweise gibt es 1,4 Millionen Frauen und Männer mit einem unerfülltem Kinderwunsch. Warum Unfruchtbarkeit keine Frauendomäne ist, wieso Sonnenmilch den Spermien schaden kann und welche Optionen die moderne Reproduktionsmedizin bietet.

Lässt eine Schwangerschaft auf sich warten, stellt sich für Paare schnell die Frage, an wem es liegt. Laut neuesten Studien liegen die Ursachen mit jeweils 30 bis 40 Prozent beim Mann oder der Frau; bei 15 bis 30 Prozent kann es an beiden liegen. Bei Frauen spielt das Alter eine große Rolle, denn bekanntlich sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft ab dem 35. Lebensjahr stark. Der Grund: Anders als bei den Spermien, die nach einem Entstehungszyklus von etwa 70 Tagen immer wieder neu gebildet werden, ist der Eizellvorrat bei der Geburt schon angelegt und nimmt im Laufe der Zeit quantitativ und qualitativ ab. Probleme können Frauen auch hormonelle Störungen, Eileiterverklebungen, Endometriose und gutartige Wucherungen in der Gebärmutter (Myome) bereiten. Beim Mann sind es meist Störungen der Spermienbeweglichkeit oder -menge. Zu den Ursachen für ein „schlechtes“ Spermiogramm zählen etwa hormonelle oder genetische Störungen, Verletzungen, Hodenhochstand in der Kindheit sowie Alkohol- und Tabakkonsum.

UV-Filter schaden Spermienqualität

In fünf bis zehn Prozent der Fälle liegt keine organische Ursache vor. Psychische Stressfaktoren sind hierbei nicht zu unterschätzen. Paare setzen sich oftmals unter Druck, sind enttäuscht, wenn der Schwangerschaftstest erneut „negativ“ ist und machen sich im schlimmsten Fall gegenseitig Schuldzuweisungen. Ein Teufelskreis, der sich durchaus kontraproduktiv auf den Kinderwunsch auswirken kann. Beim Mann kann sogar Sonnenmilch zu einer erhöhten Unfruchtbarkeit führen. Niels Skakkebaek und sein Team von der Universität Kopenhagen haben jüngst 29 von 31 in Europa und den USA für Sonnenschutzmittel zugelassene UV-Filter und ihre Wirkung auf menschliche Spermien analysiert. Das Resultat: 13 der chemischen UV-Filter gelangen über die Haut in den Körper und verändern den Ionenhaushalt der Spermien. Heißt: Die Substanzen aktivieren einen Kanal der Zellmembran der Keimzellen, was zu einem verfrühten Calciumeinstrom führt. Dieser „Schub“ ist eigentlich an der Eizelle für die Befruchtung nötig. „Diese Ergebnisse könnten zum Teil erklären, warum es eine so hohe Rate medizinisch nicht erklärbarer Unfruchtbarkeit gibt. Die für die Regulation solcher Mittel zuständigen Behörden sollten diese Effekte der UV-Filter unbedingt vor der Zulassung untersuchen lassen“, fordert der dänische Reproduktionsmediziner.

Der Natur auf die Sprünge helfen

Von einem unerfüllten Kinderwunsch sprechen Experten, wenn nach zwei Jahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist. Sind etwaige organische Ursachen ausgeschlossen oder therapiert worden und tritt trotzdem keine natürliche Schwangerschaft ein, kommt die moderne Reproduktionsmedizin ins Spiel. Für viele Paare ist sie die letzte Hoffnung. Je nach Fruchtbarkeitsstörungen kommen folgende Methoden infrage: die Intraurine Insemination (IUI), bei der aufbereitetes Spermienmaterial zum Zeitpunkt des Eisprungs in den Muttermund oder die Gebärmutter injiziert wird, die In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der reife Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet und wieder eingesetzt werden, und letztlich – bei einer schweren Störung beim Mann – die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht wird. Im Schnitt führen pro Behandlungszyklus 15 bis 20 Prozent der künstlichen Befruchtungen zum Erfolg. Diese Erfolgsrate erscheint gering, doch letztlich kann potenziell jedes Paar zu den Glücklichen gehören, die sich mithilfe der Reproduktionsmedizin den Wunsch vom eigenen Kind doch noch erfüllen konnten.

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