Vater-Sohn-Beziehung

Vorbilder, keine Kumpels

Von Otmar Rheinhold · 2018

Vater und Sohn beim spielerischen Armdrücken. Thema: Vater-Sohn-Beziehung
Vater und Sohn – ein ganz besondere Beziehung

Der strenge Patriarch hat ausgedient. Aber weichgespülte Kumpels sind auch nicht das Beste, wenn es um das Verhältnis zwischen Vater und Sohn geht. Psychologen raten: Väter, seid ruhig Männer und Erwachsene im Umgang mit dem männlichen Nachwuchs!

Zu den schönsten und zugleich humorvollsten Beschreibungen eines gelungenen Vater-Sohn-Verhältnisses gehören die Bildgeschichten, die der Zeichner Erich Ohser – auch bekannt unter dem Künstlernamen „e.o.plauen“ – in  den 1930er Jahre unter dem Titel „Vater und Sohn“ wöchentlich veröffentlichte. Noch heute sind die Comics ein Klassiker, in denen ein rundlich gemütlicher Vater mit seinem kleinen Sohn alltägliche Abenteuer erlebt. Entscheidend ist das Verhältnis der beiden zueinander: Sohnemann erkundet neue Situationen und Orte, ist betrübt oder spielt Streiche. Der Vater unterstützt, tröstet – und straft! Er ist nämlich keineswegs sein Kumpel, sondern das, was Väter idealerweise sind: Vorbild, Erzieher, Unterstützer.

Mehr Raum für Väter

Damit erfüllt er die Rolle, die ihm zukommt, und die ihm mittlerweile zumindest seitens der wissenschaftlichen Forschung auch zukommen sollte. Generell raten Psychologen heutzutage, Vätern einen breiteren Raum in der Erziehung ihrer Kinder zu geben. Was das spezielle Vater-Sohn-Verhältnis angeht, so zeigt eine Studie unter Beteiligung des Wissenschaftszentrums Berlin aus dem Jahr 2013, dass besonders Söhne unter dem Fehlen des Vaters leiden, etwa weil der ständig auf Arbeit ist. Und das Robert-Koch-Institut berichtet in einer aktuellen Studie, dass Jungs, die ganz ohne Vater aufwachsen, öfter psychosomatische Probleme, psychische Auffälligkeiten und größeres Risikoverhalten zeigen. Ihnen fehlt der Vater als Projektionsfläche, als Identifikationsfigur, als jemand, der den Sohn aus Sicht desselben Geschlechts wahrnimmt und versteht.

Wie sieht er denn aber nun aus, der ideale Vater? Wer sich in kinderreichen Vierteln umschaut, kann zum Schluss kommen: Seine Rolle hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom strengen Patriarchen zum Kumpel gewandelt, der selig mit dem Sohn im Sand buddelt, weich und verständnisvoll mit dem Kind „auf Augenhöhe“ ist und im Übrigen dieselben Sneakers wie der Nachwuchs trägt. Väter wünschen sich auch mehr Emotionen im Umgang mit ihren Kindern. Doch nicht alle Experten machen solche Bilder glücklich. Sie raten, dass Väter – generell im Umgang mit ihren Kindern – ihr Mannsein nicht verstecken sollen. So sagt die Psychologin Lieselotte Ahnert von der Universität Wien etwa zum Thema Spielen: „Wie Väter spielen, fördert die Widerstandsfähigkeit und den Mut von Kindern. Es ist gut, wenn sie auch mal rau werden und die Kinder dabei unterstützen, auf einen hohen Baum zu klettern.“

Mann bleiben – auch als Vater

Väter sind also keine strengen Patriarchen mehr, aber sie sollten den Abstand zum Sohn auch nicht verlieren, sondern ihm als durchaus forderndes und anleitendes Vorbild dienen. In Kulturen mit einer ausgeprägteren Bekleidungskultur, Italien zum Beispiel, ist es durchaus noch üblich, dass der Vater mit dem Sohn den ersten Anzug aussucht. Väter sind Vorbilder, wenn sie Männer sind, ihre Söhne auf deren späteres Mannsein vorbereiten. Da braucht dann niemand um die Gleichberechtigung zu fürchten, wenn zu Hause die Regale eben von Sohn und Vater in die Wand gedübelt werden, weil die Schwestern partout nicht wollen. Dann erleben Vater und Sohn ihr kleines Alltagsabenteuer und wachsen aneinander.

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